beymeister

Die vor fünf Jahren gegründete Initiative beymeister sucht nach ihrem festen Platz in der Kirche und versteht sich als Lernstätte für die Entwicklung von Spiritualität mit Menschen, die am Rande von Kirche stehen.


Förderung des nächsten Innovationsschritts

Das Projekt Erprobungsräume fördert nicht nur Gründungsprozesse, sondern Initiativen bei ihrem nächsten Innovationsschritt. Für die im Sommer 2015 in Köln Mülheim gegründete Initiative beymeister ist es die größte Herausforderung, einen Ort in der Kirche zu finden. (Wie) Kann ein anfängliches Experiment, dass sich zu einer Gemeinschaft und nun immer mehr zu einer Gemeinde entwickelt – ohne dabei in der Logik einer Ortsgemeinde aufzugehen – Teil der Kirche werden? Ein Teil, der die anderen Teile von Kirche gleichwertig ergänzt und sich von den anderen Teilen von Kirche und anderen Gemeinden ebenfalls ergänzen lässt? Wie werden aus Experimenten Gegenüber auf Augenhöhe, die das, was wir Kirche und Gemeinde nennen, verändern? Sie können unseren Horizont als Kirche weiten. Weil sie anders sind. Und sich doch als Kirche verstehen. Als Gemeinde. Und darum auch dazugehören wollen.


Mixed Economy

Das Projekt Erprobungsräume versteht sich nicht nur als Förderprogramm, sondern trägt dazu bei, dass sich die Evangelische Kirche im Rheinland im Sinne von mixed economy zu einer Kirche in vielfältiger Gestalt entwickelt. Der Begriff beziehungsweise das strukturelle Konstrukt einer mixed economy betrachtet neue Formen konsequent als Ergänzung etablierter Formen sowie auch andersherum, mit dem Ziel vielfältigere Zugänge zum christlichen Glauben zu ermöglichen.
Genau an der Stelle setzt die übergangsweise Förderung der beymeister als Erprobungsraum an. So wird in und mit dieser Initiative erprobt, wie sich solche Prozesse der Einbindung in die kirchlichen Strukturen so gestalten lässt, dass es für die beymeister und für die Evangelische Kirche im Rheinland gleichermaßen ein wertvoller Schritt ist.


Ein Einblick in den Erprobungsraum

Seit Juni 2020 ist die Initiative beymeister ein Erprobungsraum in der Evangelischen Kirche im Rheinland. Hier erzählen diejenigen, die diesen Erprobungsraum gestalten, wer sie sind, von ihrer Motivation und ihrem Traum:

Wer gestaltet diesen Erprobungsraum?

Wir sind das Team der beymeister:

Ich bin Miriam Hoffmann (Gemeindepädagogin und Gründerin) und lebe seit 12 Jahren in Mülheim und mag den Wandel. Ich habe mich schon immer gefragt wie Kirche mehr hingehen kann als einzuladen und zog irgendwann mit Sebastian Bear-Henney (Pfarrer, Gründer) los. Mit einem Sofa und vielen Fragen an die Menschen, die in Mülheim leben.
Ich bin Sebastian, ich will Kirche öffnen und ausprobieren, wie Kirche mit Menschen geht, die dem sonst fremd gegenüberstehen. Nicht mit für sie unrelevanten Formen, sondern mit einer dienenden Haltung und der Frage: Wie geht das? Zusammen fragen wir Mülheim: Was willst du das ich dir tue? So sind wir auf dem Weg neue Formen der Verkündigung zu erproben.

Was hat euch zu diesem Vorhaben motiviert?

Wir beymeister gestalten Kirche mit Menschen, die am Rande der Kirche stehen. Alles, was wir tun, ist Kirche. Und wird auch so wahrgenommen. Ziel ist es, für die Zielgruppe die Relevanz des Evangeliums in ihrem Leben begreif- und erlebbar zu machen, Zugänge zu eröffnen, wo diese durch Milieugrenzen bisher versperrt waren, und Freiräume dafür zu geben, die eigene Spiritualität in den Kontext des Evangeliums zu setzen. Das gilt nicht nur für die Gemeinschaft der beymeister, sondern auch für unsere Wirkungsweise im gesamten Viertel. Die Spiritualität ist dabei aus der Gruppe erwachsen, so dass die Veranstaltungen keinen künstlich oktroyierten Charakter haben, sondern organisch aus dem Miteinander heraus bestimmt werden. Wir können so völlig neue und traditionelle Formen miteinander entwickeln und erproben. Es entstehen Liturgien, Mediationen und neue Anforderungen an „sowas wie Gottesdienst“.

Es ist eine Gemeinschaft, die Kirche ist und, als solche, verbindlicher Ausdruck der Spiritualität der Teilnehmenden sein muss. Den Menschen die Offenheit zu bieten, Gott zu begegnen, das ist der Auftrag, der sich gerade in ganz neuer Form zeigt. So stehen wir als beymeister an der Schwelle zum Aufbruch, wollen in eine neue Phase eintreten. Als Labor, als Lernstätte, als Zukunftsort – als Erprobungsraum der Kirche im 21. Jahrhundert.

Was ist euer „Erprobungs-Traum“ – Wo seht ihr euch in 3 Jahren?

Es entstehen neue Ausdrucksformen von Gemeinschaft und Evangelium. Diese Transformationsprozesse können die kirchlichen Suche nach neuen Formen bereichern. Von den von uns erreichten Menschen gehen Impulse aus, die den Stadtteil und die Kirche verändern. #dasistauchkirche ist ein gelebter Anspruch und Wunsch. Die Suche nach spirituellen Ausdrucksformen ist dabei ein emergenter Prozess, das Tastende und Forschende ist Grundelement der Arbeit, weswegen diese einem ständigen Wandel und einem immerwährenden Neuerfinden unterworfen ist. So sind wir als beymeister ein Labor für neue Praktiken einer sich wandelnden Kirche. Durch die Agilität der Steuerung kann sich die Ausdrucksform der Initiative stetig verändern. Wir träumen davon, dass es für solche Prozesse Raum in der kirchlichen Landschaft gibt.


Kontakt

Wenn du mehr zu beymeister erfahren oder dich mit diesem Erprobungsraum vernetzen willst, melde dich bei Miriam Hoffmann oder schau auf der Website vorbei.

  • Sebastian Baer-Henney